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| Stefan Huck zeigt ein Tornetz |
Als ein gewisser Mr. Brodie aus der englischen Hafenstadt Liverpool zusammen mit seinen Fischerfreunden im Jahr 1890 zu einem Fußball-Match aufbrach, wusste er noch nicht, welch epochale Erfindung er an diesem Tag machen würde. Brodie und seine eingefleischten Fußballfreunde mussten damals miterleben, wie sich die Fans am Rande des Spielfeldes eine handfeste Auseinandersetzung darüber lieferten, ob denn der Ball von der gegnerischen Mannschaft durchs Tor geschossen wurde oder daneben landete.
Eine Auseinandersetzung, nach der Brodie nicht nur mit einem blauen Auge nach Hause kam, sondern ihn auch auf eine für damalige Zeiten revolutionäre Idee brachte: Wie wäre es, wenn sich zwischen den Pfosten nicht nur Luft, sondern ein Netz befindet, mit dem sich der Ball fangen ließe und somit klar sei, ob der Schuss nun „drin“ oder daneben war, fragte sich Brodie. Er ließ sich seine Idee patentieren und fortan standen auf den Fußballfeldern nicht nur zwei Pfosten mit einem Querbalken sondern war dazwischen auch ein Netz gespannt. So jedenfalls sagt es die Legende.
„Wir machen auch nichts anderes, als zum größten Teil Luft zu verkaufen“, sagt heute Stefan Huck, Chef des größten Netzherstellers in der Bundesrepublik. Und dies allerdings in zahllosen Variationen: allein hundert verschiedene Netze für Fußballtore bietet Huck derzeit an. Über einen Stadionausrüster sind seine Netze auch bei der Fußball-Europameisterschaft in der Schweiz und Österreich dabei. Obwohl in allen nur möglichen Farben und Ausführungen erhältlich habe man sich von Seiten der UEFA diesmal für eine schlichte Variante entschieden: simples schwarz, quadratische Maschen – praktisch und gut. Schwarz weil die Fotografen es so wünschten, quadratisch weil ohne Schnickschnack. Aber knotenlos müssen sie schon sein, so Huck. Ganz im Gegensatz zu den Ursprungsnetzen, die eine abgewandelte Form des Fischernetzes darstellten.
Bereits seit 1963 stellt die Firma Huck in Berghausen, einem kleinen Ort im mittelhessischen Hinterland Netze her, in der Hauptsache Fußballnetze. Damals machte sich Vater Manfred Huck als Seiler selbstständig, schneiderte Sportnetze und konfektionierte Seile. Ob des großen Erfolges und einer cleveren Vertriebsstrategie konnte Manfred Huck bereits im folgenden Jahr die ersten Arbeiter einstellen und erweiterte seinen Mitarbeiterstamm bis 1973 auf 20. In den Folgejahren baute Huck ein ausgeklügeltes Vertriebssystem auf, das schnell und individuell auf Bestellungen reagieren kann. Heute hat das Unternehmen rund 250 Mitarbeiter, die, in ganz Europa und den USA verteilt, zeitnah alle möglichen Formen und Größen von Netzen liefern können. Dabei beschränkt sich der Mittelständler schon lange nicht mehr allein auf Sportnetze. Auch auf dem Bau oder in der Industrie sind heute weltweit Netze „Made in Germany“ zu finden. Ausschlaggebend für den Erfolg von Huck-Netzen sei nicht zuletzt die Erweiterung des Betriebes von der reinen Konfektionierung der Netze auf die gleichzeitige Herstellung der Netzbahnen.
„Nach der Wende haben wir uns mit einem Netzhersteller nahe Dresden zusammen getan und produzieren seit dem von der einzelnen Faser aus Kunststoffgranulat bis hin zum fertigen Netz alles selbst“, so Stefan Huck. Und noch ein Erfolgsrezept hat er parat: „Wo Inhaber von Konkurrenzunternehmen sich Yachten oder ähnliches angeschafft haben, sind unsere Gewinne immer in die Firma geflossen. Wahrscheinlich sind wir deshalb noch am Markt und andere nicht.“
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