13.07.2017

von Stiftung Warentest B° RB

Ökostrom

Stiftung Warentest. Ökostrom von Lidl und Deutscher Bahn: Was die Angebote taugen

Stiftung Warentest

Der Lebens­mittel­discounter Lidl vermittelt jetzt auch Ökostrom. Und seit kurzem können Verbraucher auch von der Deutschen Bahn Strom aus regenerativen Quellen beziehen. Doch sind die beiden Öko-Tarife empfehlens­wert? Die Energie-Experten der Stiftung Warentest haben sich die Angebote angeschaut und sagen, was davon zu halten ist.

DAS LIDL-ANGEBOT

Ökostrom von Lidl und Deutscher Bahn Schnelltest

Strom von Eon. Lidl verkauft einen Ökostrom-Tarif des Energieriesen Eon. Der Vertrag hat eine Lauf­zeit von 12 Monaten. Zu finden ist das Angebot auf der Website des Discounters unter Mehr Freude am Lidl-Strom.

Einkaufs­gutschein von Lidl. Einen Neukundenbonus gibt es nicht, Neukunden erhalten aber einen Lidl-Einkaufs­gutschein im Wert von 10 Euro. Dieses Guthaben ist auf einer elektronischen Geldkarte der Wirecard Bank gespeichert. Die Geldkarte muss der Kunde aktiv kündigen, wenn er vermeiden will, dass ihm nach Ablauf von drei Jahren monatliche Kosten entstehen. So steht es in den allgemeinen Geschäfts­bedingungen der Wirecard Bank (Stand 12. Juli 2017). Lidl teilte test.de aber auf Nach­frage mit, dass der Karten­vertrag auto­matisch ende, wenn der Kunde die Geschenkkarte voll­ständig einge­löst habe.

Ökostrom mit Tüv-Zertifikat. Der Strom stammt aus Anlagen, die das TÜV-Süd-Zertifikat EE haben. Es dient Stromhänd­lern, Strom­versorgern und Endverbrauchern als Nach­weis dafür, dass der Strom zu 100 % aus erneuer­baren Energien stammt.

Umwelt­nutzen nicht sicher

Ob der Tarif der Umwelt nützt, ist allerdings fraglich, denn „gute Ökostrom­tarife fördern die erneuer­baren Energien – zum Beispiel indem sie den Bau neuer Solar- oder Wind­kraft­anlagen mitfinanzieren oder dafür sorgen, dass Energie auf Wind, Wasser und Sonne flexibler einge­setzt werden kann“, sagt Dominik Seebach vom Freiburger Öko-Institut. „Das ist hier offensicht­lich nicht der Fall“.

Was kostet der Ökostrom von Lidl?

Ein Haushalt in Berlin mit einen Jahres­strom­verbrauch von 3 500 Kilowatt­stunden bezahlt 1 058 Euro pro Jahr (27,41 Cent pro kWh, Grund­preis 98 Euro pro Jahr). Laut Lidl-Website spart dieser Haushalt 83 Euro – bezogen auf den Grund­versorgungs­tarif von Vattenfall. Nur dass letzterer kein reiner Ökostrom-Tarif ist. Wie hoch die persönliche Ersparnis ist, hängt vom Verbrauch und vom Wohn­ort ab und davon wie teuer der derzeitige Tarif des Strom­kunden ist.

Online-Tarif mit Endpreis­garantie

Positiv ist, dass der Kunde eine Endpreis­garantie erhält, und dass diese bis 31. Januar 2019 gilt – länger als die Mindest­lauf­zeit. Beides ist selten. Den Tarif gibt es unter lidl-strom.de oder telefo­nisch (Tel: 0800 / 0005 903). Da es sich um einen Online­tarif handelt, müssen sich alle Kunden nach Vertrags­abschluss beim Service­portal „Mein E.ON“ anmelden. Etwaige Preis­erhöhungs­schreiben erhält der Kunde zwar auf dem Postweg. Abrechnungen allerdings nicht. Zählerstände müssen ebenfalls online gemeldet werden.

Fazit: Das beste ist die Endpreis­garantie

Der Lidl-Tarif eignet sich bestenfalls für Kunden, die derzeit in einem teureren Tarif sind und auf Preissicherheit aus sind, weil sie nicht jedes Jahr den Anbieter wechseln wollen. Kunden, die Wert darauf legen, dass ihr Ökostrom-Tarif den Ausbau der erneuer­baren Energien fördert, sollten andere Angebote prüfen.

DAS ANGEBOT DER DEUTSCHEN BAHN

Ökostrom von Lidl und Deutscher Bahn Schnelltest

Die Deutsche Bahn bietet seit kurzem ebenfalls Ökostrom an, Vertrags­partner ist hier die DB Energie. Der Kunde kann zwischen zwei Lauf­zeiten wählen:12 oder 24 Monate. Die Tarife heißen entsprechend DB Strom 12 und DB Strom 24. Die DB-Strom-Tarife sind Online­tarife und über die Website dbstrom.de buch­bar. Wer telefo­nisch abschießen möchte, kann jedoch den Rück­rufservice der Bahn nutzen.

Was kostet der Ökostrom von DB Energie?

Güns­tiger als Lidl. Unser Berliner Muster­haushalt bezahlt im Tarif DB Strom 12 für eine Lauf­zeit von 12 Monaten jähr­lich 1 027 Euro, also 31 Euro weniger als bei Lidl.

Ökostrom mit OK-Power-Label. Beide Ökostrom-Tarife der Bahn haben das OK-Power-Label. Es wird vom gemeinnützigen Verein EnergieVision heraus­gegeben. Das Siegel stellt an die Anbieter höhere Anforderungen als das TÜV-Süd-Zertifikat EE. Der Strom stammt hier nicht nur zu 100 Prozent aus erneuer­baren Energien, sondern das zertifizierte Unternehmen darf beispiels­weise auch keine Beteiligungen an Atom­kraft­werken haben. Der Markt­wächter Energie, ein Projekt der Verbraucherzentrale Nieder­sachsen, stufte dieses Label in einer Marktuntersuchung aus dem Jahr 2016 als „empfehlens­wert“ ein.

Keine Endpreis­garantie – dafür gibts eine Bahncard 25

Wie der Lidl-Tarif enthält auch der Bahn-Tarif eine Preis­garantie. Anders als bei Lidl bezieht sich die allerdings nicht auf Abgaben, Steuern und Netz­entgelte. Steigen diese, dürfte die Bahn die Preise trotz Garantie erhöhen. Die Kunden haben mehrere Willkommens­geschenke zur Auswahl, wie zum Beispiel eine kostenlose Bahncard 25. Mit letzterer ist allerdings ein Abo verbunden: Die Kunden müssen es kündigen, sonst wird es im zweiten Jahr kosten­pflichtig.

Fazit: Gut aber nicht günstig

Es gibt güns­tigere Ökostrom-Tarife ohne Bonus, die auch das OK-Power-Label haben, wie unsere Abfragen bei Verivox und Check24 zeigen. Hier würde unser Berliner Muster­haushalt – bei ähnlichen Vertrags­bedingungen – gut 70 Euro weniger zahlen als bei der Bahn. Auch für aktive Kunden, die jedes Jahr den Anbieter wechseln wollen, gibt es inzwischen Ökostrom-Angebote mit hohen Boni, die zum Beispiel auch das OK-Power-Label haben.

LESER­AUFRUF

Finanztest möchte heraus­finden, wie sich Strom­preise im zweiten Vertrags­jahr entwickelt haben. Die Anbieter ­nennen uns diese Preise nicht. Deswegen benötigen wir Ihre Mithilfe: Sind Sie länger als zwölf Monate Kunde bei einem Strom­anbieter? Falls ja, schi­cken Sie uns bitte Kopien aller Unterlagen, wie zum Beispiel Ihren Vertrag, Ihr ­Begrüßungs­schreiben, Kopien Ihrer ­Abrechnungen und Preis­änderungs­schreiben per E-Mail an

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