08.03.2017

von B° RB

Tone Vigeland

TONE VIGELAND. SCHMUCK – OBJEKT – SKULPTUR. Die Neue Sammlung – The Design Museum München. Ausstellung vom 11.03. – 11.06.2017

Tone Vigeland, Armschmuck, 1997, Silber, H. 8 cm, Ø 6,6 cm, Privatbesitz

Skandinavischer Autorenschmuck ist ohne sie und ihre Arbeiten nicht vorstellbar. Tone Vigelands Schmuckobjekte waren bereits zu Beginn der 1960er-Jahre fester Bestandteil heute längst legendär gewordener Ausstellungen und Publikationen, wie etwa der 1961 in der Goldsmiths Hall London stattgefundenen Ausstellung „International Exhibition of Modern Jewellery“. Dort wurde die seinerzeit noch junge Kunstrichtung des Autorenschmucks erstmals einer Öffentlichkeit vorgestellt.

Fakten
Ausstellungsdauer: 11.03. – 11.06.2017 (Rotunde, 2.OG). Die Neue Sammlung – The Design Museum München

In ihrem 80. Lebensjahr richtet Die Neue Sammlung der Grande Dame der skandinavischen Schmuckkunst nun ihre erste Einzelausstellung auf dem europäischen Kontinent außerhalb Skandinaviens aus – 50 Jahre nachdem 1967 Vigelands erste Solo- Ausstellung im Kunstnerneshus (Künstlerhaus) in Oslo stattfand.

Tone Vigelands Arbeiten umschmeicheln fließend den menschlichen Körper und sind doch aus Metall. Sie oxidiert das hell glänzende Silber bis es schwarz wie Eisen ist. Durch Hautkontakt gewinnt das Silber sein Spiel mit dem Licht zurück, erhält das Schmuckobjekt ungeahnte metallische Farbvalenzen. Jedes Stück individualisiert durch seinen Träger. Die Arbeiten bestechen durch ihre Größe und Volumina, bestehen aber aus einer unvorstellbaren Vielzahl von kleinsten, handgearbeiteten Teilen – aus Silberdraht gedrehten Röhrchen, exakt geschnittenen rechteckigen und runden Plättchen oder winzigen Kügelchen und Ösen – unsichtbar für den Betrachter miteinander verbunden. Tone Vigelands Kunst am Körper wirkt modern und zugleich archaisch.

1938 in eine der berühmtesten Künstlerfamilien Norwegens geboren, begann die künstlerische Ausbildung Tone Vigelands 1955 am Statens Håndverk-og Kunstindustriskole Oslo (heute Kunsthøgskolen in Oslo). Um das Goldschmieden zu erlernen, wechselte sie 1957 an die Oslo Vocational School (Berufsschule). 1958 wird sie Mitglied der avantgardistischen Künstlerkooperative Plus in Frederikstad, wo eine Reihe noch zu Studienzeiten entstandener Entwürfe in Serie gehen. Ohrringe, die aus einem einfachen Loop in Silber gearbeitet und in ihrer zurückhaltenden Schlichtheit und Linearität in der für Skandinavien nach dem Zweiten Weltkrieg typischen Anmutung entworfen sind, wurden bis 1985 erfolgreich produziert. 1961 eröffnete Tone Vigeland eine eigene Werkstatt und wandte sich dem Unikat zu. Seither entstanden ihre weltberühmten und mehrfach ausgezeichneten Schmuckarbeiten. Diese sind nun erstmals in einer Einzelausstellung mit 150 Arbeiten zu sehen.

In einer vielbeachteten Ausstellung in der Galerie Riis 1995 in Oslo ging die Künstlerin einen bedeutenden Schritt in eine andere Dimension – zur Kunst im architektonischen Raum – und vollzog zugleich die Abwendung von der schmückenden Kunst bezogen auf den menschlichen Körper. Der Schritt vom Körper zum freien Raum ist ein scheinbar großer und letztendlich doch ein naheliegender für Tone Vigeland.

Höchste Ehrungen wie die 1988 überreichte Prinz Eugen Medaille von Schweden, 1996 die Ernennung zum Commander of the Royal Norwegian Oder of St. Olav, 2002 die Überreichung des Anders Jahre Kunstpreises und 2008 die Verleihung des Goldenen Ehrenrings der Goldschmiedeinnung in Hanau begleiten das künstlerische Werk dieser außergewöhnlichen norwegischen Künstlerin.

Arbeiten von Tone Vigeland befinden sich in den Sammlungen namhafter Museen der Welt: The Museum of Arts and Design, New York, USA | Cooper-Hewitt, Smithonian Design Museum, New York, USA | Designmuseum Danmark, Kopenhagen | Frederikstad Museum, Norwegen | Kunstindustrimuseet Oslo, Norwegen | Musée des Arts Décoratifs, Paris, Frankreich | Musée des Beaux-Arts de Montréal, Canada | Nationalmuseum für Kunst, Oslo, Norwegen | Museum of Fine Arts, Houston, USA – Helen Williams Drutt Collection | Museum of Modern Art, New York, USA | Nationalmuseum Stockholm, Schweden | Nationalmuseum Tokio, Japan | Nordenfieldske Kunstindustrimuset, Trondheim, Norwegen | Nordjyllands Kunstmuseum, Aalborg, Dänemark | Philadelphia Museum of Art, USA | Racine Art Museum, Wisconsin, USA | Royal Scottish Museum Edinburgh, Schottland | Schmuckmuseum Pforzheim, Deutschland | The Toledo Museum of Art, Ohio, USA | Victoria & Albert Museum, London, Great Britain und in der Neuen Sammlung – The Design Museum in München.

Die Realisierung der Ausstellung fand mit freundlicher Unterstützung durch das Norwegian Ministry of Foreign Affairs in Oslo, die Königlich Norwegische Botschaft in Berlin, das Königlich Norwegische Konsulat in München sowie der Danner-Stiftung und in Kooperation mit Norwegian Crafts, Oslo statt.

Die Ausstellung wird im Januar 2018 im Nordenfjeldske Kunstindustrimuseum in Trondheim zu sehen sein.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation. Ausstellungskuratorin: Dr. Petra Hölscher

Unter der Schirmherrschaft I.M. Königin Sonja von Norwegen.

Passend zum Thema

Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965. 14. Oktober 2016 - 26. März 2017, Haus der Kunst München

Eine Ausstellungsreihe zur künstlerischen Fotografie im digitalen Zeitalter mit Ilit Azoulay | Mishka Henner | Inga Kerber | Mykola Ridnyi | Erin Shirreff. 30.09.2016 - 29.01.2017

Der Kunstverein Kulmbach e.V. lädt im Herbst zu einem außergewöhnlichen Ausstellungsprojekt ein

Mehr aus der Rubrik

GEMÄLDE UND ÖLSKIZZEN VON JOHANN CHRISTIAN ZIEGLER. Ausstellungslaufzeit: 12. April - 7. August 2017, Neue Pinakothek, München

Ab Samstag, dem 11. März 2017 sind in der Alten Pinakothek die Obergeschoss-Säle X bis XIII mit der italienischen, französischen und spanischen Barockmalerei nach dreijähriger baubedingter Schließungszeit wieder geöffnet

Der Turm der blauen Pferde von Franz Marc. Zeitgenössische Künstler auf der Suche nach einem verschollenen Meisterwerk

Teilen: