14.03.2017

von B° RB

Postapokalyptischer Realismus

It’s After the End of the World. Don’t You Know That? VERANSTALTUNGSREIHE IM MUSEUM BRANDHORST München

Mike Kelley and Michael Smith, Voyage of Growth and Discovery (Production Still), 2009

Darstellungen einer Welt am Abgrund bestimmen gegenwärtig nicht nur Science-Fiction-Filme, - Literatur oder Videogames, sondern auch die Debatten der Geistes- und Naturwissenschaften sowie die täglichen Nachrichten. Es sind Erzählungen einer Gegenwart oder auch nahen Zukunft, in der lebensnotwendige Rohstoffe knapp geworden, ökologische und politische Systeme zusammengebrochen sind und ökonomische Ungleichheiten sich verschärft haben, während kriegsähnliche Zustände und Krisen kein Ende finden. 

Fakten
VERANSTALTUNGSREIHE IM MUSEUM BRANDHORST, München

FR 17.03. UND SA 18.03.
FR 24.03. UND SA 25.03.
FR 31.03. UND SA 01.04.2017

Diese postapokalyptischen Erzählungen entwerfen ein poröses Gewebe, in dem fiktive und faktische, projizierte und erfahrene, vergangene wie gegenwärtige und zukünftige Bedrohungen unauflösbar verflochten scheinen. Zumeist beschreiben sie eine Welt im oder kurz nach dem Zusammenbruch und nehmen dabei den fragilen Status des Menschen als Ausgangspunkt. Geradeso führen sie auch ein grundlegendes Narrativ der Moderne fort: das Narrativ eines Selbst, dem der Boden unter den Füßen entglitten ist, das seinen Ort in einer aus den Fugen geratenen Welt verloren hat. Zugleich bergen postapokalyptische Erzählungen in den grundlegend durchlässigen Bereichen der Dokumentation, der Wissenschaft, der Fiktion oder eben, der Science-Fiction, ein kritisches und utopisches Potential. Denn sie konturieren auch, wie das Dasein humaner und nicht humaner biotechnologischer Wesen und Dinge in einer immer schon versehrten Welt gedacht und gestaltet werden kann.

Der Begriff „postapokalyptischer Realismus“ bezieht sich – wie sein historischer Vorläufer – auf eine grundlegende Zugewandtheit zur Welt. Der Realismus bezeichnet im Allgemeinen künstlerische wie literarische Äußerungen im 19. Jahrhundert, die die vielseitigen gesellschaftlichen Spannungen, Unsicherheiten und Widersprüche der modernen Welt zu beschreiben versuchen. Dabei entwickelt der Realismus Vorgehensweisen, die sich über die historische Epoche hinaus für die künstlerische Auseinandersetzung mit sozialen, technologischen und wissenschaftlichen Umbrüchen als grundlegend erweisen. Die Verschränkung von Realität und Fiktion, Hoch- und Populärkultur, die Verfahrensweisen der Aneignung, Karikatur, Montage und des Détournements bieten bis in die Gegenwart Mittel der Beschreibung, aber auch der Analyse und Kritik, zeitgenössischer Bedingungen. An diese Strategien schließt ein „postapokalyptische Realismus“ an. In einer Gegenwart, die von Erzählungen des drohenden und bereits stattfindenden sozialen, politischen, ökonomischen und ökologischen Zusammenbruchs dominiert wird, kann er Möglichkeiten eröffnen, diese Erzählungen zu untersuchen und neu auszuloten.

Chapter 1

17.–18.03.

Anja Kirschner: Moderation: Wasted Temporalities, Contaminated Subjects > Dana Luciano: The Memory of Water

Jacky Connolly: Hudson Valley Ruins: Worldmaking and Reenactment through  

Virtual Filmmaking Practices

Georgia Sagri: my first science fiction book, Religion

Chapter 2

24.–25.03.

Nina Könnemann: Free WiFi 2

Inka Meißner: Paper cut

Hassan Khan: Blind Ambition

Tanja Widmann in collab w/ Robert Müller, [[[ALTAR:THRON]]], a.o.: CRASHCRACK SLAM BOW. 

Juan Atkins: R9

Juan Atkins DJ-Set im Harry Klein (Sonnenstr. 8, 80331 Munich) 

Chapter 3

31.03.–01.04.

Michael Smith: A Voyage of Growth and Discovery: One step forward and two steps back

Helmut Draxler: “I have survived!“ The Post-Apocalyptic Subject and the Trauma of Psychoanalysis

Peter Wächtler: Kaputter als der Staat 3

Jutta Zimmermann: Family Big Hand

Die Veranstaltungen finden in englischer Sprache und bei freiem Eintritt statt. 

Konzeption: Tonio Kröner und Tanja Widmann

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