01.03.2008

von B°

Die Sintflut

Ein vergessenes Monumentalgemälde aus der Zeit Ludwigs I. wird restauriert. Ausgestellt wird "Die Sintflut" von Carl Schorn in der Neue Pinakothek, Saal 13 Voraussichtlich bis Mitte Mai 2008.

Ausstellung in der Pinakothek.

Carl Schorns monumentale »Sintflut«-Darstellung ist zwischen 1845 und 1850 im Auftrag von König Ludwig I. entstanden.
Das mit 5,92 x 8,27 m größte Bild der Neuen Pinakothek war bis 1919 in der Galerie ausgestellt. Seitdem lag es aufgerollt im Depot des Museums. Anlässlich der Ausstellung »’Die Kraftprobe’ – 200 Jahre Kunstakademie München« im Haus der Kunst München (30. Mai – 31. August 2008) wird das Bild nun in der Neuen Pinakothek restauriert und kann damit erstmals seit Jahrzehnten wieder in der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Das Gemälde zeigt die letzten Augenblicke der dem Untergang bestimmten sündigen Menschen. Die letzten Überlebenden suchen auf dem Gipfel eines Berges ihre Rettung vor den Fluten. Unter dem Eindruck des nahenden Todes offenbaren sich Verzweiflung und Niedertracht auf vielfältigste, zum Teil abstoßende Weise. Die Arche, Zuflucht Noahs und einziges Zeichen der Hoffnung, ist nur klein und schemenhaft am linken Bildrand zu erkennen. Es ist eine düstere, pessimistisch gestimmte Vision eines Weltuntergangs. Der Maler Carl Schorn (1803-1850) stammte aus Düsseldorf und lebte nach Aufenthalten in Paris und Berlin seit Beginn der 1840er Jahre in München.

In Berlin hatte er mit historischen Genredarstellungen erste Anerkennung gefunden. Unter dem Einfluss von monumentalen Werken der belgischen Historienmaler Louis Gallait und Edouard de Biefve, die 1842 bis 1844 auf einer viel diskutierten Ausstellungstournee durch Deutschland reisten, schuf Schorn 1843 bis 1845 ein erstes Gemälde etwa der gleichen Größe wie die »Sintflut«, die »Wiedertäufer von Münster« (Verbleib unbekannt).

Mit dem Auftrag der »Sintflut« an Carl Schorn bot König Ludwig I. dem Künstler, der seit 1847 eine Professur an der Münchner Akademie innehatte, eine Plattform in der Neuen Pinakothek, die seit 1846 im Bau war. 1841 hatte der König bereits mit Wilhelm von Kaulbachs »Zerstörung Jerusalems« ein monumentales Historienbild für sein künftiges Museum bestellt, das der älteren, noch im Idealismus wurzelnden Richtung angehörte. Schorn bereitete die jüngere, von den Zeitgenossen als »realistisch« bezeichnete Historienmalerei Carl Theodor von Pilotys vor, dessen frühes Hauptwerk »Seni vor der Leiche Wallensteins« Ludwig I. 1855 erwarb. Schorn starb bereits 1850, noch bevor das Bild ganz vollendet war.


Da für ein Werk dieser Größe kein geeignetes Atelier zur Verfügung steht, wird die »Sintflut« seit Mitte Januar 2008 im Saal der Münchner Historienmalerei (Saal 13 der Neuen Pinakothek) restauriert. Obwohl mehrfaches Abspannen, Aufrollen und wieder Aufspannen sowie jahrzehntelange Lagerung auf einer Rolle Spuren hinterlassen haben, Presseinformation befindet sich das Gemälde noch in einem weitgehend stabilen Zustand. Das Bildgefüge war allerdings stark verschmutzt, ist wellig geworden, wobei an Knicken Grundierung und Malerei gebrochen und Farbverluste entstanden sind. Barbara Staudacher von den »Münchner Werkstätten für Restaurierung« hat den Auftrag für die Restaurierung, die vor allem konservierende Maßnahmen umfasst: Die Farbe wird, wo sie gefährdet ist, wieder mit dem Untergrund verklebt. Gemäldeoberfläche und Gewebe werden gereinigt, Risse in der Leinwand geschlossen und Farbverluste niveaugleich mit der umgebenden Malerei ausgekittet.


Die Bildränder werden mit Leinwandstreifen hinterklebt, damit sie stabil genug für ein erneutes Aufspannen des Bildes sind. Zunächst wird das Gemälde auf dem Boden liegend von Vorder- und Rückseite bearbeitet. Nach dem Aufspannen wird die »Sintflut« im Saal aufgehängt werden, so dass die Restauratoren das ganze Gemälde im Blick haben, wenn sie die alten Schadstellen so weit retuschieren werden, dass diese dem Betrachter nicht mehr störend auffallen. Gleichzeitig können die Museumsbesucher den Fortgang der Arbeiten mitverfolgen und das Gemälde bis Mitte Mai 2008 in seinem ursprünglichen Zusammenhang zwischen den Gemälden Kaulbachs und Pilotys betrachten. Danach wird das Monumentalgemälde für den Transport in das Haus der Kunst erneut abgespannt und aufgerollt werden. Die Ausstellung »’Die Kraftprobe’ – 200 Jahre Kunstakademie München« im Haus der Kunst München (30. Mai – 31. August 2008) wird den weit reichenden Einfluss der Münchner Kunstakademie im 19. Jahrhundert zeigen, die damals zahlreiche ausländische Künstler anzog.

Zu den Vorzügen der Kunststadt München zählten auch die beiden Pinakotheken, die Studenten mit Vorbildern der älteren Kunstgeschichte wie der offiziell favorisierten Historienmalerei vertraut machten.

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