30.06.2018

von B° RB

Neues Licht

Alte Pinakothek München | Neues Licht! – Die energetische Sanierung ist abgeschlossen. Die Säle sind wieder geöffnet

Der Rubenssaal der Alten Pinakothek in neuem Licht

Die vor viereinhalb Jahren begonnene energetische Sanierung der Alten Pinakothek ist beendet. Ab Dienstag, den 03. Juli 2018 um 10.00 Uhr werden wieder alle 13 Säle im Obergeschoss zugänglich sein. Die Absperrungen sind beseitigt, ein vollständiger Rundgang ist wieder möglich. Im Laufe des Juli verschwinden auch das Wetterdach, Zäune und Gerüste am Außenbau. 

Bereits zu Pfingsten wurden die Säle im östlichen Erdgeschoss für das Publikum geöffnet, in denen altdeutsche Gemälde gezeigt werden. In diesen Räumen am Klenzeportal befand sich seit 2005 der Sonderausstellungsbereich, der künftig in den Westtrakt verlegt wird. 

Aus Anlass und zur Feier der Beendigung der Sanierung wird im Holländersaal IX vom 03. Juli bis zum 30. September Vermeers „Briefleserin in Blau“ als großzügige Leihgabe des Rijksmuseums Amsterdam präsentiert. 

DIE SITUATION VOR DER SANIERUNG

Wer noch im Frühjahr 2017 durch das Treppenhaus in die Säle emporstieg, wird sich über die blinden, von Schlieren und Verfärbungen entstellten Fenster gewundert, vielleicht auch geärgert haben. Der Klebstoff des Verbundglases hatte sich durch Wärmeeinwirkung über die Jahre aufgelöst. Ein ähnliches Bild bot die für den Besucher nicht sichtbare Dachverglasung über den Oberlichtsälen. 

Zu diesem ästhetischen Desaster addierte sich ein energetisches: Der Dachraum hatte nie eine Dämmung erhalten. Dies hatte zur Folge, dass im Winter der gesamte Bereich beheizt werden musste, damit nicht in den darunterliegenden klimatisierten Sälen Kondenswasser von der gläsernen „Staubdecke“ tropfte; im Sommer musste der Dachbereich aufgrund der Hitze mit hohem Energieaufwand belüftet werden, damit das konservatorisch geforderte Raumklima der darunterliegenden Galerie keinen Schaden nahm. 

Ein Drittes kam hinzu: Aufgrund der defekten und längst stillgelegten Verschattungsanlage war die Staubdecke über viele Jahre mit großen Stoffbahnen abgedeckt, um direkte Sonneneinstrahlung in den Sälen zu verhindern. Dies wiederum hatte zur Folge, dass von morgens bis abends, sommers wie winters das nicht dimmbare Kunstlicht mit voller Stärke brannte. Fast 20 Jahre lang waren die Gemälde in den großen Sälen nicht mehr bei natürlichem Licht zu sehen! 

DIE MASSNAHMEN DER SANIERUNG 2014–2018

Die vom Staatlichen Bauamt München 1 begleitete energetische Sanierung nahm die gesamte Außenverglasung des Hauses, Verschattung, Dämmmaßnahmen und Optimierung der Beleuchtung ins Visier. 

Eine Totalschließung des Hauses war keine Option. So wurde seit Frühjahr 2014 – bei unvermindertem Besucherbetrieb in den geöffneten Bereichen – in drei Bauabschnitten unter dem Dach und an den Fenstern gearbeitet. Zunächst waren in den leergeräumten Oberlichtsälen mit großem Aufwand Wände und Böden vor Staub und mechanischer Beschädigung zu schützen. Dann wurden raumhohen Gerüste aufgebaut, die durch die demontierte Staubdecke hindurch bis in den Dachfirst hinaufreichten. In der Regel wurde in drei Sälen gleichzeitig gearbeitet, im zweiten Bauabschnitt 2016/17 gleich in den sechs Sälen der beiden Kopfbauten. Diese Gerüste trugen die Plattform für die Arbeiten im Dach, als da waren: Verstärkung der Tragwerkskonstruktion, Erneuerung der Oberlichtverglasung, Einbau der Verschattung und der nach wie vor notwendigen Belüftungsanlage, Dachstuhldämmung. Da die Dächer zwangsläufig geöffnet waren, musste zuvor für jeden Bauabschnitt ein schützendes Wetterdach errichtet werden. Unerwartete Schadstofffunde (Asbest) im ersten Bauabschnitt 2014/15 führten zu erheblichen Verzögerungen, die später nur zum Teil aufgefangen werden konnten. 

AUSTAUSCH VON RUND 1.400 FENSTERSCHEIBEN

Gleichzeitig mit den Dacharbeiten wurden in jedem Bauabschnitt die Gläser der Fenster ausgetauscht. In allen Fensternischen der Nord-, West- und Ostseite musste aufgrund vorhandener schimmelanfälliger Kältebrücken der Putz abgeschlagen und durch einen mehrlagigen Isolierputz ersetzt werden. Ca. 1.400 defekte Fensterscheiben waren gegen modernes Isolierglas auszutauschen. Die ebenfalls schadhaften Gläser der Dachschräge, durch die die Säle ihr Licht erhalten, wurden durch modernes Glas mit idealen Dämmeigenschaften ersetzt; die Staubdecken in den Sälen erhielten Gläser mit optimaler Lichtdurchlässigkeit und -streuung. 

Bereits jetzt ist spürbar, dass sich diese Maßnahmen positiv auf den Energieverbrauch des Museums auswirken. Das erklärte Ziel, den „ökologischen Fußabdruck“ der Alten Pinakothek zu verkleinern, wurde erreicht. 

Zugleich wird nun die Kunst in besseres Licht gesetzt: In Zukunft kann in der Alten Pinakothek ein konservatorisch verantwortbares Maximum an natürlichem Licht ausgenutzt werden. Die aus beweglichen Lamellen bestehende Verschattungsanlage im Dachstuhl reguliert das einfallende Licht und verhindert direkte Sonneneinstrahlung. Abgestimmt auf den Breitengrad Münchens, wurde dazu der jeweilige Winkel des Sonnenstands im Jahresverlauf in die Steuertechnik einprogrammiert. Wenn das Tageslicht in den Sälen nicht mehr ausreicht, schaltet sich stufenlos das von Sensoren geregelte neue Kunstlicht zu. 

Wer an diesen hellen Sommertagen die Pinakothek besucht, wird den wohltuenden Effekt des Tageslichts sogleich erkennen. Das sich ständig verändernde natürliche Licht lässt die Gemälde so lebendig wirken wie seit Jahrzehnten nicht mehr. 

Mit der Eröffnung der Räume tritt der reguläre Eintrittspreis von 7 Euro (ermäßigt 5 Euro) wieder in Kraft.

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