12.02.2012

von B°TF

Erich Steingräber

Bayerische Staatsgemäldesammlungen: Zum neunzigsten Geburtstag von Erich Steingräber.

Prof. Dr. Erich Steingräber

Erich Steingräber, der am 12. Februar in Tegernsee seinen neunzigsten Geburtstag begeht, war von 1969 bis 1987 Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Er gehört zu den bedeutendsten und erfolgreichsten Direktoren der deutschen Museumsgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Während seiner 18jährigen Münchner Amtszeit konnte er durch seine beharrliche und geschickte Sammlungspolitik die Bestände der Alten Pinakothek, der Neuen Pinakothek und der Moderne nicht nur um hochkarätige Meisterwerke bereichern, sondern erschloss damit zugleich bis dahin vernachlässigte Epochen und verlieh den Sammlungen ein neues, gewichtiges Profil.

Er setzte sich mit Nachdruck und Erfolg für einen Neubau der im Krieg zerstörten Neuen Pinakothek ein, der im Jahre 1981 eröffnet wurde. Seine Weitsicht für die zukünftigen Aufgaben des Museums erwies sich darin, dass er die Bedeutung der Kunstvermittlung erkannte und diesen Bereich entschieden förderte, der zu Gründung eines museumspädagogischen Zentrums führte.

Erich Steingräber, der aus Danzig stammt, schloss sein Studium mit einer Arbeit über "Die kirchliche Buchmalerei Augsburgs um 1500" ab. Seine Forschungsinteresse galt zunächst der Buchmalerei und der europäischen Goldschmiedekunst des Mittelalters und der Renaissance. Seine Schriften zu diesen Themen, wie "Alter Schmuck – die Kunst des europäischen Schmuckes", München 1956 sind bis heute Standardwerke.

1962 wurde er zum Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums berufen, ein Amt, das er bis zu seinem Wechsel an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen im Jahr 1969 innehatte. Nürnberg verdankt ihm wichtige Ankäufe, die Einbeziehung moderner Skulptur in die Sammlung und die Einrichtung einer museumspädagogischen Abteilung.

Als vordringlichste Aufgabe seines Generaldirektoriats in München galt Erich Steingräber die Erweiterung der Sammlung; den Gemäldebestand der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank in der Alten und Neuen Pinakothek konnte er um herausragende Werke vermehren: Der karge Bestand venezianischer Veduten des 18. Jahrhunderts erhielt Zuwachs durch eine Reihe bedeutender Gemälde von Francesco Guardi, die französische Malerei des 18. Jahrhunderts, bis dahin mit wenigen Beispielen vertreten, durch Werke von Jean Honoré Fragonard, François Boucher – zu nennen ist das berühmte Bildnis der Marquise de Pompadour –, Jean Baptiste Greuze oder Jean Etienne Liotard. Die holländische Malerei erhielt durch das glanzvolle Porträt des Willem van Heythuysen von Frans Hals neues Gewicht.

Der Neuen Pinakothek verlieh er durch Neuerwerbungen von Künstlern wie Francisco Goya, John Constable, Thomas Gainsborough, William Hogarth, Thomas Lawrence, Henry Raeburn, Joseph M.W. Turner und Richard Wilson, die in der national geprägten Sammlung nicht vertreten waren, internationalen Rang. Bis heute besitzt die Neue Pinakothek die bedeutendste Sammlung englischer Malerei auf dem Kontinent.

Vor allem die Bestände der Moderne erfuhren gewaltigen Zuwachs. Spektakuläre Zugänge waren das Triptychon "Die Versuchung" von Max Beckmann, Werke von Ernst Ludwig Kirchner, Pablo Picasso, George Braque, Fernand Leger, Henry Moore und Umberto Boccioni. Der zeitgenössischen italienischer Kunst galt Erich Steingräbers besonderes Interesse. Mit Werken von Emilio Vedova, Lucio Fontana, Alberto Burri oder Sandro Chia gab er der Sammlung einen neuen gewichtigen Schwerpunkt.

Darüber hinaus konnte Erich Steingräber zahlreiche hochkarätige Stiftungen an das Haus binden: Stiftung Olaf Gulbransson, Stiftung Günther Franke, Stiftung Marino Marini, Vermächtnis Klaus Gebhard, Vermächtnis Markus und Martha Kruss, Stiftung Theo Wormland, Stiftung Hans Hartung, Stiftung Robert Motherwell, Stiftung Otto und Etta Stangl, Vermächtnis Theodor und Woty Werner und zuletzt die Sammlung Prinz Franz von Bayern.

Steingräbers Tätigkeit umfasste auch international viel beachtete Ausstellungen wie "Georg Baselitz" (1976), "Die Münchner Schule" (1979), "Im Licht von Claude Lorrain" (1983), "Raphael in der Alten Pinakothek", "Lucio Fontana" (1983), "Max Beckmann – Retrospektive zum 100.Geburtstag" (1984), "Hans von Marées" und "In uns selbst liegt Italien. Die Kunst der Deutsch-Römer" (1987).

Auszeichnungen:
Bayerischer Verdienstorden (1973)
Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland I. Klasse (1976).
Commendatore dell'ordine al merito della Repubblica Italiana (1975)
Mitglied der Accademia Fiorentina deIle Arti del Disegno (1978)
Premio Capo Circeo (1980)
Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1983)
Premio internazionale arti e scíenze (1983)
Socio Ateneo Veneto (1986)
Silbermedaille der Stadt Florenz (1986)
Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst (1988)
L’Onorificenza di Grande Ufficiale dell’Ordine al Merito della Repubblica Italiana (1992)

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