14.03.2019

von B° RB

Schmuckismus

Pinakothek der Moderne München. Die Neue Sammlung: Schmuckismus

Schmuckismus

Auf Einladung der Neuen Sammlung – The Design Museum kuratiert Karen Pontoppidan, Professorin für Goldschmiedekunst an der Akademie der Bildenden Künste München eine Ausstellung, die sich mit der Bedeutung von Autorenschmuck als Spiegel eines kritischen Diskurses auseinandersetzt. 

Fakten
AUSSTELLUNGSDAUER: 16.03.2019 – 16.06.2019

Schmuck wird hier nicht als ein selbstreferentielles Instrument verstanden, sondern als Möglichkeit und Notwendigkeit zu einer Reflexion von gesellschaftsrelevanten Inhalten. Themen wie Ökologie, Konsumgesellschaft, Identitäten oder Feminismen werden direkt durch das Medium Schmuck ausgedrückt. 

„I don´t favor a single truth environment“ ist ein bekennender Satz der in Dänemark geborenen und international renommierten Schmuckkünstlerin Karen Pontoppidan, die damit ihre Haltung als Künstlerin, Kuratorin und Lehrende definiert. Ihre eigene Arbeit hinterfragt die Bedeutung und die ethischen Werte von Schmuck, auch für ihre Besitzerinnen. Schmuck lässt nicht nur Fragen an ihre Trägerinnen zu, sondern die Trägerinnen von Schmuck stellen durch diesen auch Fragen an ihre Umgebung. 

Für die Ausstellung hat Karen Pontoppidan 30 Schmuckkünstlerinnen einer jüngeren und mittleren Generation aus verschiedenen Ländern eingeladen, die auf ein eigenes, aber noch nicht abgeschlossenes Werk verweisen können. Ihre Arbeiten zeigen, wie unterschiedlich die jeweiligen Themen und Inhalte, die Materialien und die Herstellungsverfahren sind, und wie unterschiedlich auch die jeweils intendierte Rezeptionsmöglichkeit durch ein Publikum ist. Das, was die Teilnehmerinnen miteinander verbindet, ist ihre grundsätzlich kritische Haltung, die Schmuck als ein Medium für gesellschaftspolitische und sozialrelevante Fragestellungen versteht, gerade auch, weil sie aus der jeweiligen individuellen Perspektive entwickelt werden.

Das Konzept der Ausstellung sieht vor, dass die Schmuckkünstlerinnen jeweils zu ihren von Karen Pontoppidan ausgewählten Exponaten zusätzlich eine neue Arbeit entwickeln oder eine weitere Arbeit selbst aussuchen. So ergibt sich eine dialogische Zusammenschau von rund 150 Objekten aus einem Zeitraum der letzten 15 Jahre. 

Karen Pontoppidan hat zudem die Ausstellung gestaltet. Ihre Vitrinen, die an der Brüstung und an den Säulen der Rotunde befestigt werden, sind aus einfachen Tischlerplatten mit Pressspan-Optik hergestellt, die Objektbeschriftung erfolgt auf alltäglichem Papier. Damit erinnern die Ausstellungsdisplays gleichermaßen an einfache Informations-Schaukästen im öffentlichen Raum sowie an selbst gefertigte improvisierte Träger, um alternative Stimmen zu kommunizieren. 

Ein künstlerisches Werk in der Ausstellung stammt nicht von den eingeladenen Künstler*innen. Die Arbeit „Körperschmuck Abwehrreaktion“ der österreichischen Künstlerin Brigitte Lang aus dem Jahr 1982 hinterfragt in ihrer Dialektik gesellschaftliche Normen und Rollen und dient hier als Auftakt und Leitgedanke der Ausstellung.  

Karen Pontoppidan führt eine weitere Bedeutungsebene in die Ausstellung ein, indem sie eine Sammlung von Ansteckplaketten ausstellt: Die niederländischen Schmuckkünstler Paul Derrez und Willem Hoogstede haben seit den 70er Jahren eine umfangreiche Sammlung von Buttons zusammengetragen, weil sie an dem Phänomen und der Entwicklung dieses „Schmucktypus“ als unmittelbares graphisches Medium der politischen Aussage interessiert sind. 

Mit der Ausstellung „SCHMUCKISMUS“ freut sich Die Neue Sammlung zu einem Dialog über das politische Potential von Autorenschmuck einzuladen sowie einen weiteren und besonderen Beitrag zur Erforschung und zum Diskurs von Autorenschmuck leisten zu können. 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Paul Derrez, Hanne Loreck, Angelika Nollert und Karen Pontoppidan im Verlag arnoldsche Art Publishers, grafisch gestaltet von Yvonne Quirmbach, Berlin. 

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