24.01.2019

von B° RB

The Brown Sisters

Neuerwerb für die Pinakothek der Moderne München: Nicholas Nixon "The Brown Sisters" - ermöglicht durch die Alexander Tutsek-Stiftung

Nicholas Nixon, The Brown Sisters, Harwichport, Massachusetts, 1978. Silbergelatineabzug auf Barytpapier, 20,3 x 25,4 cm. Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne, München

Nicholas Nixon, The Brown Sisters, Wellesley College, Massachusetts, 2006. Silbergelatineabzug auf Barytpapier, 20,3 x 25,4 cm

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen geben mit großer Freude den Erwerb dieser herausragenden Werkgruppe bekannt, der dank der großzügigen Förderung durch die Alexander Tutsek-Stiftung ermöglicht wurde.

Seit 1975 porträtiert der amerikanische Fotograf Nicholas Nixon (*1947) jedes Jahr seine Frau Bebe und ihre drei Schwestern. Die Koordinaten für dieses künstlerisch ungewöhnliche Langzeitprojekt sind denkbar einfach: 

Die vier Frauen kommen zu einem Gruppenbild zusammen, bei dem lediglich die Abfolge ihrer Aufstellung sowie das Negativformat von 8 x 10 inch konstant bleiben. Stehend und im Brustbild erfasst, seltener als Ganzfigur oder sitzend dargestellt, werden die Schwestern von einem eng begrenzten Bildausschnitt umfangen und blicken zumeist direkt in die Kamera. Über die Auswahl des jeweils gültigen Bildes – es entstehen immer mehrere Aufnahmen - entscheiden der Fotograf und seine Modelle zusammen. Über einen Zeitraum von mehr als 40 Jahren ist so ein singuläres Werk entstanden, das gleichermaßen die Wesenhaftigkeit des Fotografischen zum Ausdruck bringt als auch über das Moment der Zeit, der Vergänglichkeit wie der sich immer wieder wandelnden Beziehungen der Schwestern zueinander Zeugnis ablegt.

Nicholas Nixon, langjähriger Professor am Massachusetts College of Art and Design, zählt seit seiner Teilnahme an der wegweisenden Ausstellung „New Topographics: Photographs of a man-altered Landscape“ im Jahr 1975 zu den wichtigsten Fotografen seiner Generation. Einem formal strengen, sachlich dokumentarischen Stil verpflichtet galt sein Interesse zunächst Stadtansichten und Architekturaufnahmen wie den Bosten Views. Seit Ende der 70er-Jahre steht das Porträt im Mittelpunkt seines Wirkens. Seine als Serien konzipierten Werkreihen widmen sich neben der eigenen Familie vor allem sozial Benachteiligten und Kranken, bekannt wurden vor allem seine Dokumentationen von HIV-Infizierten und alten Menschen. Nixon wurde mit einer Vielzahl von Preisen und Stipendien wie dem Guggenheim Stipendium ausgezeichnet, seine Werke sind in den wichtigsten amerikanischen Museumssammlungen vertreten.

Dank der großzügigen Förderung durch die Alexander Tutsek-Stiftung (www.atutsek-stiftung.de) konnten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen 2018 die Serie „The Brown Sisters“, der anlässlich ihres 40-jährigen Jubiläums 2015 in der Pinakothek der Moderne eine Einzelausstellung gewidmet war, aus Privatbesitz erwerben. Mit dieser jungen Inkunabel der Fotografiegeschichte ist es nun möglich, nicht nur die exquisite Sammlung zur amerikanischen Fotografie kongenial zu erweitern, sondern zugleich an das epochale Werk eines der großartigsten Porträtisten des 20. Jahrhunderts anzuknüpfen, August Sander, der mit über 150 Werken in der Sammlung vertreten ist.

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